FHL-Info No44 – décembre 2018

Zum zehnjährigen Bestehen des „Hôpital de jour“ des „Service national de psychiatrie juvénile“ der „Hôpitaux Robert Schuman“ (HRS)

Am 4. Oktober 2018 wurde mit wissenschaftlichen Festvorträgen das 10-jährige Bestehen der Tagesklinik des 2003 gegründeten „Service national de psychiatrie juvénile“ in Anwesenheit des Präsidenten der Abgeordnetenkammer Mars Di Bartolomeo, der Gesundheitsministerin Lydia Mutsch, sowie zahlreicher Vertreter des öffentlichen Lebens, Fachvertreter, ärztlicher und psychologischer Kollegen und Vertreter der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Schulen in der Kulturfabrik Esch/Alzette begangen.

Seit zehn Jahren stellt die Tagesklinik als Bindeglied zwischen stationärer und ambulanter Behandlung die akutpsychiatrische Versorgung für Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren sicher und ist fest in der nationalen psychiatrischen Versorgungslandschaft Luxemburgs etabliert.

Ziel der Tagesklinik unter der ärztlichen Leitung der Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Dr. Salima Aarab, ist die intensive Behandlung der Jugendlichen mit Verbleib im familiären Rahmen und damit ohne Verlust des sozialen Umfelds.

Eine enge, vertrauensvolle und wertschätzende Zusammenarbeit mit den Eltern, der Heimerziehung und den psychosozialen Diensten ist dafür zwingend notwendig. Dabei setzt ein multiprofessionelles Team aus Fachärztin, Psychologen, Kreativtherapeuten, Sozialarbeitern sowie dem Pflege- und Erziehungsdienst und Lehrern ausschließlich auf therapeutische Interventionen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen ist.

Die Behandlungsziele orientieren sich an den Alltagsbedürfnissen und Entwicklungsaufgaben der anvertrauten Jugendlichen.

Im Gegensatz zur psychiatrischen Behandlung erwachsener Patienten bedeutet die Therapie mit Kindern und Jugendlichen immer auch eine intensive therapeutische Arbeit mit dem familiären Umfeld.

Behandelt werden in der Tagesklinik fast alle psychischen Erkrankungen. Häufig werden jedoch Jugendliche mit Angststörungen, Depressionen und Schulvermeidung betreut.

Eine Spezifität besteht in dem Angebot einer multimodalen Behandlungseinheit für Therapie von Essstörungen bei Jugendlichen.

Die Therapie krankhaft über- oder untergewichtiger Patienten in enger Zusammenarbeit mit dem familiären und schulischen Umfeld vor Ort sowie den vorbehandelnden Einrichtungen (Kliniken, niedergelassenen Ärzten, Psychologen, psychosoziale Dienste) konnte Überweisungen in Spe-zialeinrichtungen im Ausland reduzieren und es den Jugendlichen ermöglichen in dieser schwierigen Zeit nicht auf das gewohnte psychosoziale Umfeld verzichten zu müssen.

Gleichzeitig konnten Familie, Schule und Freunde der Jugendlichen unterstützend mitwirken und so nachhaltig die Situation der Jugendlichen verbessern.

So konnten bereits seit über sechs Jahren mehrfach die als schwer zu behandeln geltende Anorexie bei vielen Jugendlichen erfolgreich therapiert werden.

Zudem hat die Tagesklinik ein mehrstufiges Programm zur Behandlung schwer krankhaftem Übergewicht mit psychischen Auffälligkeiten entwickelt, setzt dies das dritte Jahr in Folge um und arbeitet klinik- und fachübergreifend an einer verbesserten Versorgungsund Behandlungsstruktur für diese Jugendliche.

Aktuell finden auf dem Gelände des „Hôpital Kirchberg“ umfangreiche Baumaßnahmen statt, so dass 2020 die Rückführung der Tagesklinik aus dem Provisorium an der Clinique Sainte Marie in Esch möglich scheint.

Die Auslastung der Tagesklinik mit über 100 % und jährlich über 120 Jugendlichen mit seelischen Erkrankungen und einer möglichen Wartezeit bis zu fünf Monaten ist hoch.

Die Gefahr der Chronifizierung der Störungen ist dadurch erhöht und zum Teil müssen Patienten dann auch akut stationär behandelt werden, was zu einer zusätzlichen Erhöhung der ohnehin auch sehr hohen Auslastung der stationären Behandlungseinheit führt.

Auch gesellschaftliche Entwicklungen (z.B. Migration, wirtschaftliche Not, Zunahme der insbesondere jungen Bevölkerung oder nachlassender familiärer Zusammenhalt) aber auch die erhöhte Sensibilisierung der Gesellschaft für psychische Auffälligkeiten, werden die Zahl derer, die kinder- und jugendpsychiatrische Hilfe suchen, in den nächsten Jahren erhöhen.